
Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat das Junkerhaus Simonskall als originäre Stätte der Moderne im rheinischen Kulturraum mit der Einladung zur Kulturmesse „Regionalia“ geehrt.
Zugleich wurde die ambitionierte Ausstellungstätigkeit sowie das erfolgreiche Engagement des Kunst- und Kulturvereins HöhenArt Hürtgenwald in der Aufarbeitung der kulturhistorisch bedeutsamen Geschichte des Junkerhauses Simonskall gewürdigt. Zwischen Frühjahr 1919 und Herbst 1921 hat dort eine Gruppe junger Künstler und Intellektueller aus dem notleidenden und politisch zerrütteten Nachkriegs-Köln eine Künstler-Landkommune etabliert, die sich Kalltalgemeinschaft nannte.
Im Zuge dessen wurde das beschauliche Eifeldörfchen Simonskall zu einem wichtigen Begegnungs- und Zufluchtsort für zahlreiche Künstlerfreunde vornehmlich aus dem Kreis der Kölner Progressiven.
Zu den Mitgliedern und Freunden der Gruppe gehörten u.a. die Maler Franz Wilhelm Seiwert und Heinrich Hoerle. Weitere namhafte Gäste der Gruppe waren die Maler Otto Freundlich und Anton Räderscheidt sowie der, wegen seiner Beteiligung an der Münchener Räterepublik steckbrieflich gesuchte legendäre Ret Marut alias B. Traven.
An dieses, insbesondere aus rheinischer Sicht kulturhistorisch überaus bedeutsame Ereignis erinnert heute im Junkerhaus (Winterhalbjahr November bis April, sonntags von 15 bis 18 Uhr) die mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Sparkasse Düren errichtete Dokumentation „Experiment Kalltalgemeinschaft – die Kölner Progressiven in Simonskall“.
Die Portraits der Mitglieder und Freunde der Kalltalgemeinschaft zieren jetzt auch eine großformatige Fahne, die beim Festakt zum Jubiläum des Instituts „Moderne im Rheinland“ vergangenen Sonntag im Düsseldorfer Schauspielhauses zusammen mit denen anderer bedeutender Kulturinstitutionen des Rheinlands im dortigen Foyer enthüllt wurde und die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zieht.
AZ D vom 10.Dezember 2010