
Experiment Kalltalgemeinschaft
Eine Künstlerkolonie in Simonskall 1919 - 1921
Eine der interessantesten Begebenheiten in der Gemeinde Hürtgenwald, sowohl in lokalgeschichtlicher als auch in literatur- und kunsthistorischer Hinsicht ist der Aufenthalt und das Wirken mehrerer junger Kölner Künstler in Simonskall in den Jahren von 1919 bis 1921 gewesen. Einige von ihnen zählen heute mit zu den bedeutendsten Repräsentanten der konstruktivistischen Stilrichtung in Deutschland, ihre Werke befinden sich in vielen Museen der Welt.
Bei dieser Gruppe, welche sich nach dem gleichnamigen Fluss die Kalltalgemeinschaft nannte, handelte es sich im Kern um den Kunsthistoriker und Publizisten Carl Oskar Jatho, dessen Frau Käthe Jatho-Zimmermann, Schriftstellerin, den Maler und Graphiker Franz Wilhelm Seiwert sowie den Leipziger Maler und Bühnenbildner Franz Nitsche.
Die Künstler, die sich damals zeitweise in Simonskall aufhielten, rekrutierten sich vornehmlich aus dem Kreis der späteren Kölner Progressiven, deren künstlerisches Wirken von der Hinwendung zur konstruktivistischen Stiltendenz der 20er Jahre dominiert war.
In Simonskall hielten sich so bekannte Künstlerpersönlichkeiten auf, wie Otto Freundlich, Heinrich Hoerle, Angelika Hoerle, Anton Räderscheidt, Marta Hegemann und Ret Marut, alias B. Traven u.a..
Neben der Herstellung von zahlreichen Bildern, Holzschnitten und Skulpturen, die fast alle von Seiwert stammten, beschäftigte sich die Kalltalgemeinschaft während ihres Aufenthaltes in der Eifel mit der Herstellung und Herausgabe von literarischen, z.T. graphisch illustrierter Texte, insgesamt acht Werke, die unter dem Namen Kalltalpresse, Untertitel: Druckschriften der Kalltal-Gemeinschaft, in die Literatur- und Kunstgeschichte der Moderne im Rheinland Eingang gefunden hat. Band 4, Franz Wilhelm Seiwert, „Welt zum Staunen“, wurde in einer Auflage vom 100 Exemplaren in Simonskall auf einer Handpresse hergestellt.