
Gezeigt werden Graphiken, Aquarelle, Text- und Bildermappen aus Galerien und privaten Sammlungen
Schirmherrschaft: Angie Littlefield, Toronto
Einführung: Professor Doktor Gertrude Cepl-Kaufmann,
Universität Düsseldorf
Fachkommentar: Maf Räderscheidt, Künstlerin
Druck - Event: „Originale Druckstöcke der Kalltalgemeinschaft auf historischer Handpresse“ Vortrag von Professor Walter Dohmen mit Demonstration der druckgraphischen Verfahren (Sonntag, 4. Mai 2008 : 11.00 Uhr und 14.00 Uhr)
Veranstalter: HöhenArt Hürtgenwald e. V. , mit Unterstützung der Konejung Stiftung "Kultur", Vettweiß
Kommentar:
Ein aus heutiger Sicht sehr bedeutsames Ereignis in der 400jährigen Geschichte von Simonskall markiert den Zeitabschnitt zwischen Frühjahr 1919 und Herbst 1921, als hier eine Gruppe avantgardistischer Kölner Künstler und Intellektueller im heutigen Junkerhaus eine Art Künstlerkolonie etablierte, die sich „Kalltalgemeinschaft“ nannte. Initiatoren dieses Siedlungsexperiments waren der Kunsthistoriker und Publizist Carl Oskar Jatho, dessen Ehefrau, die Schriftstellerin Käthe Jatho-Zimmermann, sowie der Maler und Graphiker Franz Wilhelm Seiwert. Simonskall wurde nun zu einem wichtigen Begegnungs- und Zufluchtsort für linksidealistische Intellektuelle und Künstler, bis sich die Kalltalgemeinschaft im Herbst 1921 aus wirtschaftlichen Gründen wieder auflöste. Die Künstler, die sich damals zeitweise in Simonskall aufhielten, rekrutierten sich vornehmlich aus dem Umfeld der Kölner Progressiven, deren künstlerisches Wirken von der Hinwendung zur konstruktivistischen Stiltendenz der 20er Jahre dominiert war. Unter ihnen befanden sich bedeutende Künstlerpersönlichkeiten wie Otto Freundlich, Heinrich Hoerle und Angelika Hoerle, Anton Räderscheidt, Martha Hegemann, Peter Abelen und andere. Wie schon viele andere Museen vorher, so widmet auch das Ludwig Museum in Köln im Zeitraum vom 15. März bis zum 15. Juni 2008 wichtigen Vertretern der Progressiven eine Ausstellung. In zeitlicher Anlehnung hierzu fokussiert die Ausstellung im Junkerhaus vornehmlich das druckgraphische Schaffen der Gruppe von 1919 bis 1921 einschließlich der Simonskaller Editionen (Kalltalpresse) als elementare Ausdrucksform des politischen Konstruktivismus.
Im 19. Jahrhundert gehörte das Papiertheater zur Ausstattung bürgerlicher Kinderzimmer und Wohnstuben. Die Kölner Künstlerin Barbara Räderscheidt belebt diese Tradition neu. Für ihr Stück bedient sie sich unter anderem der Bildsprache ihrer Großmutter Marta Hegemann. So., 14. Juni
Gezeigt werden digital aufbereitete Schwarzweiß – Fotografien aus den Jahren 1890 bis 1950
Einführung: Franz Tiedtke, HöhenArt Hürtgenwald
Event: Finissage am 14. September (Tag des Denkmals) mit offizieller
Beendigung der Feierlichkeiten zu „400 Jahre Simonskall“
Veranstalter: Arbeitskreis der „Agenda 400 Jahre Simonskall“ und HöhenArt Hürtgenwald
Kommentar:
Dank der ersten Touristen, die schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Simonskall kamen und bereits eine Rollfilmkamera oder gar eine frisch patentierte Spiegelreflex im Gepäck hatten, ließen sich heute mühelos weit über 100 Jahre Zeitgeschichte der kleinen Eifelortschaft dokumentieren.
Denn mit der Lust am Reisen kam auch die Lust am Fotografieren, woran die Simonskaller selbst schnell Gefallen fanden, so dass im Laufe der Jahre eine Menge interessanter fotografischer Erinnerungen zusammen kamen.
Franz Scholl aus Simonskall hat die zum Teil schon stark vergilbten, verkratzten oder sonst wie beschädigten Fotografien, die schon viele Jahre in abgegriffenen Alben auf verstaubten Dachböden zugebracht hatten, gesammelt und in mühevoller Kleinarbeit am PC von den Spuren der Zeit befreit.
Mit neuer Frische ausgestattet, erstrahlen sie nun als so genannte „Digital Images“ wieder in alter Schönheit und erzählen mit stummer Anschaulichkeit Geschichten von Menschen und Geschehnissen längst vergangener Tage.
Einführung: Franz Tiedtke, HöhenArt Hürtgenwald
Fachvortrag: Claudius Diemer, Dipl. - Geograph und Satellitenbildexperte
Kommentar:
Mit den Satellitenbildarbeiten seiner Ausstellung "Wüste und Wasser" erschließt Claudius Diemer dem Betrachter das ästhetische Potential des schier unerschöpflichen Datenmaterials der zahlreichen Erderkundungssatelliten, die schon seit über 30 Jahren im Dienste der Wissenschaft unseren Planeten umkreisen. Die Besonderheit der Weltraumperspektive ermöglicht einen völlig neuen Blick auf unsere Erde und erlaubt ungewöhnliche Betrachtungswinkel besonders herausragender Landschaften und Landschaftsdetails.
Auch wenn man beim Anblick der teils völlig abstrakt erscheinenden Bildkompositionen aus Farben, Formen und Strukturen meinen möchte, es handle sich hierbei um phantasievolle Ergebnisse künstlerischer Verfremdung, so geht es dem passionierten Großformat-Fotographen mit mehreren Semestern Fotoingenieurwesen bei der Bildausarbeitung primär dennoch um eine optimale und kompromisslose Aufbereitung der Rohdaten des jeweiligen Bildausschnittes; ganz im Sinne des "feinen Bildes", welches in der Fotographie als der perfekte, nicht verbesserbare Fotoabzug gilt.
Ausgedruckt auf Leinwand oder schwerem Büttenpapier im lichtbeständigen Ultrachrome-Pigmentdruck (einer vergleichsweise neuen Drucktechnik, die in Künstlerkreisen immer größere Akzeptanz zur Anfertigung limitierter Editionen findet) entstehen Bilder von hoher technischer Qualität und faszinierender Ästhetik, welche die vermeintliche Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft in virtuosem Spagat überwinden und den Betrachter mit archaisch-ganzheitlicher Vehemenz in ihren Bann ziehen. (Franz Tiedtke)
Eine so komplexe und facettenreiche Persönlichkeit wie Claudius Diemer, ist nicht so einfach zu definieren.
Man könnte ihn als hochqualifizierten Wissenschaftler oder ausgewiesenen Experten für Satellitenbildtechnik vorstellen, ebenso als exzellenten Fotografen oder avantgardistischen Computerkünstler, oder auch einfach so, wie er sich selber sieht, nämlich als soliden Handwerker, was weder Koketterie noch intellektueller Snobismus ist, sondern durchaus seinem eigenen Selbstverständnis entspricht.
Ich möchte deswegen einen Versuch der Annäherung vorschlagen, an dessen Ende jeder selbst über den Status Diemers befinden mag.
Der Wahl-Eifeler aus Monschau wurde 1969 in Köln geboren und studierte dort zunächst Fotoingenieurwesen, anschließend an der Uni Trier Angewandte Physische Geographie mit Schwerpunkt Luft- und Satellitenbildtechnik.
Mit dieser komfortablen Ausbildung startete er 1998 eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit als Spezialist für Satellitenbildverarbeitung und -auswertung bei verschiedenen Unternehmen dieser Branche im In- und Ausland. War maßgeblich an einer Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen und Großprojekten beteiligt sowie an der Herausgabe mehrerer Satellitenbildatlanten.
Ein Karrierestart nach Maß also und Grund genug zur Selbstzufriedenheit. Doch Claudius Diemer hatte, wie bereits angedeutet, noch andere Interessen und mindestens eine weitere große Leidenschaft, nämlich die Fotografie, insbesondere die Landschaftsfotografie in schwarzweiß.
Schon seit den Laborpraktika während seiner Kölner Studienzeit, lag für ihn in der Ausreizung eines Negativs bis hin zur Perfektion, oder, wie die Fotografen sagen: bis zum feinen, nicht mehr verbesserbaren Bild, etwas Magisches, das ihn anzog und herausforderte. Und so kam es, dass schon bald das ästhetische Potential der Rohdaten von Erdbeobachtungssatelliten, womit er täglich zu tun hatte, mehr und mehr seine Aufmerksamkeit erregte.
Bietet doch die Besonderheit der Weltraumperspektive völlig neue und spektakuläre Betrachtungswinkel von Ländern und Landschaften unserer Erde, macht globale Zusammenhänge
und Phänomene deutlich und zeigt unseren Planeten von seinen allerschönsten Seiten.
Für Claudius Diemer, den Geographen mit Entdeckerdrang und geschultem Fotografenblick, ein unendlich kostbarer Schatz, der bislang jedoch kaum Beachtung gefunden hatte.
Also entwickelte er Programme, Strategien und Konzepte, diesen Schatz zu heben und tat im Jahre 2006 den Schritt in die berufliche Selbständigkeit. Als Standort für seine Firma „albedo39 Satellitenbildwerkstatt“ wählte er bezeichnender Weise das Gründerzentrum HIMO in Monschau-Imgenbroich.
Mit der Zielsetzung, sein Wissen und seine Erfahrung im Bereich der Satellitenbildverarbeitung mit seinem künstlerischen Anspruch als Fotograf auf innovative Weise zu kombinieren, begann er nun Satellitenbildkarten einer neuen ästhetischen Qualität zu erstellen, wie es sie vorher noch nicht gegeben hatte.
Seine große Liebe gilt jedoch den hier ausgestellten großformatigen Landschaftsportraits und Detailstudien von Inseln, Flussdelten, Wüstenabschnitten und anderen geologischen Besonderheiten, die der eigenen Kreativität größeren Spielraum lassen.
Zwar sind auch diese Motive zwecks besserer Orientierung noch exakt eingenordet und von naturnaher Farbgebung, haben jedoch durch Weglassen kartografischer Unterlegungen sowie durch Spezialausdruck mit lichtbeständigen Pigmentfarben auf Leinwand oder Büttenpapier eine höhere Eigenwertigkeit, respektive eine deutliche künstlerische Komponente erhalten, so dass sie einer fotografischen Darstellung in Nichts mehr nachstehen.
Hierbei wird mittels spezieller Bearbeitungstechniken und -programmen eine Vielzahl unterschiedlicher Satellitenrohdaten mosaikartig zusammengefügt und zu einem homogenen Ganzen vereinheitlicht. Wie das im Einzelnen funktioniert wird uns der Bildautor selbst anschließend noch genauer erklären.
Motivsuche und Ausschnittwahl sind auch hierbei von grundlegender Bedeutung, Fähigkeiten also, die der Fotograf Claudius Diemer in Perfektion beherrscht.
Ebenso wie die aufwendige bildnerische Aufbereitung am PC, die durchaus mit der Feinarbeit in der Dunkelkammer vergleichbar ist, denn hier wie dort geht es Diemer um das bestmögliche, mit den z.Zt. gegebenen Mitteln nicht mehr verbesserbare Ergebnis.
So entstehen Bildwerke von außergewöhnlicher Detailtreue und Schärfe sowie einer faszinierenden Formen- und Farbenvielfalt.
Auch wenn uns Diemers Darstellungen der Erde in ihrer zauberhaften Schönheit wie Ewigkeitsbilder der Schöpfung erscheinen, sind es doch nur Momentaufnahmen einer durch die ab- und aufbauenden Kräfte der Erde sich stetig wandelnden und möglicherweise vergänglichen Schönheit, für deren Erhalt auch uns Menschen zunehmende Verantwortung zukommt. Von daher sind die Satellitenbildarbeiten Diemers zugleich von großem dokumentarischen Wert.
Ich fasse zusammen: auch Diemers Bildwerke, die vordergründig an lyrische Abstraktionen der 60er Jahre erinnern, sind nur schwer in vorhandene kunsttheoretische Begrifflichkeiten einzuordnen, sie sind einfach zu neu, zu andersartig.
Ohne zu übertreiben kann jedoch gesagt werden, sie sind eine überaus interessante Synthese aus Hightech und Ästhetik, die in virtuoser Manier die vermeintliche Grenze zwischen Wissenschaft und Kunst aufhebt.
Damit ist auch die eingangs aufgeworfene Statusfrage Diemers gegenstandslos geworden. Er ist wohl einer jener von der Natur begünstigten Glücksmenschen, die gleich mit mehreren besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten, großen Begabungen und Talenten ausgestattet sind und zuweilen für Verwirrung sorgen, man nennt sie auch Genies.
Franz Tiedtke
Simonskall, am 20.September 2008
Texttafeln mit biografischen Daten und digitale Reprints
Details finden Sie unter Kalltalgemeinschaft