
Reklamemarken aus der Sammlung
Charlotte Meyer(München) / Dr. Heinz Schmidt-Bachem (Düren)
Eröffnung: Mai / 11 Uhr
Einführung: Dr. Heinz Schmidt-Bachem
Kommentar:
Reklamemarken sind ein inzwischen weitgehend vergessenes Kapitel der Alltagskultur. In den Jahren vor Beginn des Ersten Weltkrieges gehörten sie zu den herausragenden Erkennungszeichen dieser Jahre und ihre millionenfache Präsenz erreichte „epidemische Ausmaße“. Das deutsche Buchgewerbe-Museum/Leipzig, das eine eigene Sammlung angelegt hatte und 1914 in einem eigens errichteten Pavillon ausstellte, beschrieb die Szene als ein kulturelles Masssenphänomen, wie es bis dahin „wohl auf keinem anderen Gebiete menschlichen Sammelns“ zu beobachten gewesen war. Die Geschichte der Reklamemarken beginnt mit den Wachssiegeln aus der Zeit des Altertums. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts sind Lacksiegel bekannt. Im Übergang zu den Stempelpapieren und Papierpräge-Siegeln waren neben Lacksiegel Papier bedeckte Siegeloblaten üblich. Seit dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts sind in der Verwaltung Siegelmarken aus Papier als Siegel-Imitationen, Pfandmarken, Notariats-Urkunden-Marken, Gebührennachweise usw. gebräuchlich. Briefmarken kamen Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Sowohl die hoheitlich/amtlichen Siegel– als auch die Briefmarken waren für Philatelisten von Beginn an begehrte Sammelobjekte. Handel und Gewerbe nutzten diese Begehrlichkeit für ihre kommerziellen „Propaganda“zwecke. Der Charakter der offiziellen Marken wurde auf Firmen- und Warenzeichen nachgeahmt. Als Kuvertverschluss-Marken gerieten sie in den amtlichen Postverkehr und erlangten so ebenfalls die Aufmerksamkeit der Sammler. Die ersten bildlichen Darstellungen auf Kuvertverschluss-Marken sind seit Ende der 1870er Jahre bekannt. Sie waren für behördlich/körperschaftlich ausgerichtete Veranstaltungen, Jubiläen, Messen und Gewerbeschauen bestimmt – u.a. für die Internationale Ausstellung für die gesamte Papierindustrie, Leipzig 1878. Unter den Bezeichnungen Ausstellungs-, Gelegenheits-, Anlass-, Erinnerungs- bzw. Fest-Marken gilt dieser Typus als unmittelbarer Vorgänger der Reklamemarken. Brief-, Siegel- und Gelegenheitsmarken konnten nach dem Einsatz der Flächenprägedruck-Presse ab dem späten 1860er Jahren als Weiterentwicklung des Steindruck-Verfahrens nach Alois Senefelder (1771 bis 1834) auch massenhaft reproduziert werden. 1898 wurde das erste „Sammelbuch für Ausstellungsmarken“ herausgegeben. Noch im selben Jahr erschien die erste Fachzeitschrift und ebenfalls im Jahr 1898 wurde der erste Katalog veröffentlicht. Es folgte die Gründung von Sammlervereinen, die nach strengen Regeln u.a. die „Sammelberechtigung“ von Gelegenheits-, Ausstellungs- und Reklamemarken festlegten. Für die Gestaltung von Propaganda und Reklame auf Plakaten, Marken, Verpackungen usw. gab es im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts keine eigens ausgebildeten Gebrauchsgrafiker. Die Gestalter waren in der ganz überwiegenden Mehrzahl Absolventen einer Kunstakademie. Im „Zeitalter der bewussten Kulturarbeit“ (Adolf Behne, 1914) wollten sie Kunst und Leben, aber auch Kunst und Kommerz miteinander verbinden. Diese Künstler waren vom pädagogischen Impetus der allgemeinen Volksbildung und des erzieherischen Einwirkens auf die Massenästhetik durchdrungen. Unmittelbare Vorbilder der Entwerfer von Reklamemarken als „Plakatkunst en miniature“ waren vor allem Henri de Toulouse-Lautrec (1864 bis 1901), sowie Jules Chéret (1836 bis 1932) – beide als Gestalter von Plakaten im Großformat. In Deutschland und Österreich wurden die Ideen der „bewussten Kulturarbeit“ insbesondere über die Zeitschriften „Pan“, „Der Sturm“ (beide Berlin), „Jugend“, „Simplicissiumus“ (beide München), „Die Insel“ (Leipzig) oder „Ver sacrum“ (Wien – „Sezession) vertreten. In enger Verbindung mit diesen Zeitschriften standen Künstler wie Ernst Deutsch, Thomas Theodor Heine, Ernst Heilemann, Julius Klinger, Koloman Moser oder Alfons Maria Mucha. In den Metropolen dieser Bewegung wirkten Peter Behrens, Lucian Bernhard, Fritz Ehmcke, Julius Gipkens, Louis Oppenheim (alle Berlin bzw. München) oder R. Hoelscher, Ludwig Holwein, Otto Hupp, Carl Kunst, Franz von Stuck oder Sigmund von Suchodolski (alle München bzw. Wien, Berlin). Bis zum Beginn der 1930er Jahre sind in den Reklamemarken alle bedeutenden Kunstepochen der vorangegangen vierzig Jahre vertreten: Gründerzeit, Jugendstil, Neue Sachlichkeit oder Expressionismus, Kubismus usw. Über die Marken werden nahezu alle Lebensbereiche erfasst – von Anläsen und Ausstellungen aller Art über Firmen, Produkte, Institutionen und Markenwerbung bis hin zu Sport, Touristik oder Politik. Eine Themenbeschränkung gab es nicht, lediglich eine künstlerisch psychologische Beschränkung – insbesondere durch Ludwig Holwein – auf das Suggestive und Wesentliches des „Blickfangs“. Die Ausstellung der Sammlung „Plakatkunst en miniarure“/Charlotte Meier, München/Bestand Dr. Schmidt-Bachem, Düren zeigt im „Jahr der Graphik“/2009 ausschließlich Original-Reklamemarken. Neben den bereits erwähnten Künstlern sind u.a. vertreten: Julius Dietz, Hugo Max Eichler und Bernhard Hoeger (Jugendstil), Johannes Mohlzahn (Expressionismus), Walter Riemer, Hans Herkendell, Johann Baptist Maier/Hans Ibe, Lucian Zabel (Neue Sachlichkeit), Ernst Keller, Willy Petzold (Typografie). Begleitet wird die Ausstellung von Materialien zur Geschichte und zum Umfeld der Reklamemarken (Vorstufen, erweiterter Markenbegriff, aktuelle Ausgaben usw.). Daneben werden Beispiele für Themenbereiche der Reklamemarken anhand von historischen Produkten und Exponaten zur Papiergeschichte aus dem Sammlungsbestand des Ausstellers gezeigt.
(Text: Heinz Schmidt-Bachem, 2009)
Leihgaben Graphische Sammlung Gast
Eröffnung: Sonntag, 12. Juli / 15 Uhr
Christian Rohlfs 1849 Käthe Kollwitz 1867 Max Liebermann 1869 Ernst Barlach 1870 HAP Grieshaber 1871 Ernst Ludwig Kirchner 1880 Erich Heckel 1883 Oskar Kokoschka 1886 Karl Hofer 1887 Josef Albers 1888 Gerhard Marcks 1889 Max Kaus 1891 Max Ernst 1891 Otto Dix 1891 Andrea Paul Weber 1893 Christian Schad 1894 Victor Vasarely 1908 Max Bill 1908 Bernhard Schulz 1915 Karl Fred Dahmen 1917 Joseph Beuys 1921 K.R.H. Sonderburg 1923 James Rosenquist 1923 Robert Rauschenberg 1925 Bernard Buffet 1928 Claes Thure Oldenburg 1929 Bruno Bruni 1935 Mimmo Paladino 1948
Versuch einer Annäherung an die Kunst der Moderne
Um ihrem Zweck zu genügen kann und muss die Botschaft von Plakaten und Einladungen möglichst kurz und knapp sein, verehrte Damen und Herren, zu Ihrer weiteren Information, daher noch ein paar ergänzende Anmerkungen zu dieser Ausstellung.
Der Titel „Die Moderne auf Papier“ will einschränken und darauf verweisen, dass es sich bei den hier gezeigten Werken ausschließlich um Graphik handelt, mehrheitlich um Druckgraphik: also Holzschnitte, Lithographien, Radierungen u.a., dazu noch einige Bleistiftzeichnungen und Plakate, die meisten davon schwarz-weiß, einige farbig, aber alle von den Künstlern handsigniert und damit als Originale zertifiziert.
In der Kunst des 20.Jahrhunderts, kurz „Moderne“ genannt, erfuhren die druckgraphischen Techniken ihre Wiederentdeckung und neue kamen hinzu, denn viele bedeutende Künstler dieser Bewegung haben sich auch als Graphiker betätigt. Fanden sie doch in der reduktiven Unmittelbarkeit des Graphischen mit seinen harten Konturen und Kontrasten das ideale Ausdrucksmittel ihrer bildnerischen Auffassungen und Ideen.
Das Wort „Moderne“ stammt aus dem Französischen und steht zunächst für das gegen Ende des 19.Jahrhunderts aufkommende neue Lebensgefühl, den Zeitgeist also, beschreibt im Folgenden aber auch die Stilentwicklungen der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Die Kunsthistoriker unterscheiden hierbei noch zwischen der klassischen Moderne ( bis etwa bis zur Jahrhundertmitte), der Postmoderne (bis etwa um die Jahrhundertwende) und der Zeitgenössischen Moderne (bis zur Gegenwart). Nicht wenige vertreten die Ansicht, alle wichtigen und wesentlichen Grundlagen der modernen Kunst seien bereits von den großen Genies des 19.Jh. geschaffen worden und sprechen daher auch noch von einer Promoderne. Sie verweisen darauf, dass der Schlüssel zum besseren Verständnis der modernen Kunst demzufolge in ihren Anfängen zu finden sei, wo Ursache und Schrittfolge ihrer Entwicklung, wie aber auch die Verbindung zur Tradition noch am augenscheinlichsten sind.
Dieser Auffassung folgend, verehrte Damen und Herren, soll auch unser gemeinsamer Versuch einer Annäherung an die Moderne von dort aus erfolgen, wenngleich auch nur in stark verkürzter und sehr unvollständiger Form. Aber alles Weitergehende würde den zeitlichen Rahmen des Zumutbaren allzu sehr überschreiten.
Wie bei allen kulturellen Erscheinungen ist auch der Beginn der Moderne nicht auf ein bestimmtes Datum zu fixieren, sondern hat sich vielmehr im fließenden Übergang aus den naturalistischen Strömungen des 19.Jh. allmählich entwickelt. Aufklärung und Französische Revolution, Wissenschaft und Technik veränderten das überkommene Welt- und Menschenbild von Grund auf und ließen die alten Vorstellungen von der Ordnung der Welt und des Glaubens fragwürdig erscheinen.
Im Zuge seiner geistigen Befreiung und größeren materiellen Unabhängigkeit durch aufkommende Industrialisierung, entwickelte der Mensch ein neues Selbstverständnis. Geisteswissenschaftler und Künstler begannen ein neues Weltbild zu entwerfen. Allen voran die Maler, die uns seit jeher die bildlichen Vorgaben unserer Vorstellungen und Anschauungen geliefert hatten, wandten sich nun verstärkt dem Irdischen zu und priesen in romantisch verklärten Bildern die Schönheit von Natur und Landschaft als Kosmos der Seele. So zum Beispiel Kaspar David Friedrich mit der transzendenten Symbolik seiner mystischen Stimmungsbilder oder wenig später William Turner mit der abstrahierenden Dramatik seiner ekstatischen Farbvisionen. Dessen Lichtmalerei beeinflusste viele nachfolgende Malergenerationen und leitete bereits den ersten Bruch mit den verstaubten akademischen Konventionen ein, die zur Jahrhundertmitte von Honoré Daumier offen verhöhnt wurden. Seine mit expressiv groben Pinselstrichen gemalte neue soziale Wirklichkeit großstädtischer Massen mit hartrealistischem Wahrheitsgehalt brachten ihn nicht nur in Verruf als „Schmierer“, sondern sogar ins Gefängnis. Künstler ihrer Kunst wegen in Polizeigewahrsam zu nehmen hat also eine lange Tradition. Die Avantgarde hat es noch zu keiner Zeit leicht gehabt – auch heute nicht!
In der lichtdurchfluteten Atmosphärik der impressionistischen Meister um Claude Monet erfuhr der Naturalismus schließlich seine höchste Steigerung und zugleich auch sein Ende.
Denn mit dem von Georges Seurat begründeten Pointillismus, eine auf Umkehrung der Spektralanalyse beruhenden Darstellungsweise mit einzelnen Farbpunkten, kündet sich bereits ein grundlegender Wandel in der Bildauffassung an: weg von den tradierten Sehgewohnheiten, hin zu mehr bildnerisch-experimenteller Freiheit und Erschließung neuer Darstellungsformen und -bereiche.
Den endgültigen Bruch mit der Tradition vollzog dann zur Jahrhundertwende Paul Cezanne, der in seinem Spätwerk die Landschaft in ihrem elementaren, geometrischen Grundgefüge sichtbar zu machen und die Farben nach geistigen Werten zu modulieren versuchte: Die Natur ist nicht mehr Gegenstand, sondern nur noch äußerer Bezugsrahmen.
Damit gelang ihm als erstem, die rein malerische Wahrheit der Welt aus ihrer bislang verborgenen Tiefe zu holen und die Malerei von einer rein abbildenden zu einer bildenden Kunst zu erheben.
Um die Jahrhundertwende leitete James Ensor von Belgien aus mit seiner dämonisch maskierten Figurenwelt den Surrealismus ein, der in die Vorstellungswelt des Irrationalen und Traumhaften vordrang und die Mystifikation des Absurden zum Gegenstand hatte. Max Ernst, René Magritte und Salvatore Dalí führten diese Stilrichtung später zur höchsten Vollendung. Von Max Ernst ist übrigens ein Frühwerk aus seiner dadaistischen Schaffensphase in dieser Ausstellung zu sehen.
Von den Form- und Farbprinzipien Cezannes ausgehend gelangte Pablo Picasso bei seiner Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, die allein aus der schöpferischen Vorstellungskraft des Künstlers leben, zur kubistischen Dingzerlegung.
Sein 1907 entstandenes Schlüsselwerk „Les Demoiselles D´Avignon“, in dem er erstmals den menschlichen Körper wie in einem Kaleidoskop prismatisch aufsplittert und die Gleichzeitigkeit mehrer Ansichten synthetisch zusammenfügt, war die Initialzündung für den Kubismus, der bald nach ganz Europa und Nordamerika ausstrahlte und viele nachkommende Künstler inspirierte.
Parallel hierzu entwickelte sich ebenfalls von Frankreich aus die internationale Kunstströmung des Jugendstils, der einen flächig-linearen Stil propagierte und die sinnliche Wahrnehmung in den Vordergrund stellte, wobei eine dekorativ-fließende Ornamentik zum Charakteristikum wurde. Besonders in Österreich, und der Schweiz gelangte der Jugendstil zu höchster Blüte und hatte dort in Gustav Klimt und Ferdinand Hodler seine wichtigsten Vertreter.
Inspiriert von den großen Einzelgängern Paul Gaugin, Vincent Van Gogh und Edward Munch, die zur Steigerung ihrer psychologisierenden symbolhaften Darstellungsweise verzerrte Formen und übersteigerte Farbkontraste einsetzten, entwickelte sich gleichzeitig unter maßgeblicher Beteiligung deutscher Künstler der Expressionismus. Zu seinen Hauptrepräsentanten gehören Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmitt-Rotluff, die alle in unserer Ausstellung vertreten sind. Eine zeitgenössiche Variante dieser Stilrichtung ist das Werk des belgischen Malers Cornelius Guillaume van Beverloo, kurz Corneille genannt, auf der ersten Etage.
Vom Kubismus befruchtet entwickelte sich in Russland der Konstruktivismus, der nicht mehr die Wirklichkeit nachahmt, sondern durch eine aus geometrisch-technischen Formen konstruierte Realität ersetzt. Einer seiner wichtigsten Vertreter und späterer Bauhauslehrer Vassili Kandinski schuf 1910 die erste gegenstandslose, völlig abstrakte Komposition ohne Bezug zur sinnlich-konkret wahrnehmbaren Realität. Ein Beispiel hierfür ist das Werk seines Landsmanns André Lanskoy auf der oberen Etage. Ein anderer, Kasimir Malewitsch, malte vier Jahre später sein berühmtes „Schwarzes Quadrat“, die Ikone der abstrakten Malerei schlechthin.
Annähernd zeitgleich entwickelt sich von Italien aus der ebenfalls vom Kubismus beeinflusste Futurismus, mit Omberto Boccioni, Carlo Cará und Gino Severini als Hauptakteure.
Sie übernahmen die kubistische Simultansichtigkeit, übersteigerten dieses Gestaltungsmittel jedoch noch mit Elementen des Dynamischen und versuchten, einem von Elan und Bewegung strotzenden Weltbild zeitgemäßen Ausdruck zu verleihen.
Sie haben es sicher längst gemerkt, meine Damen und Herren, spätestens ab hier beginnt die Entwicklung der Moderne höchst unübersichtlich zu werden, sie verzweigt sich beinah explosionsartig, wie ein riesiger Baum mit zahllosen Verästelungen und Überlappungen.
Im Gegensatz zu vorherigen Kunstepochen, wie Romantik, Gothik, Renaissance usw., mit nahezu durchgängiger Stiltreue, ist die Moderne von Beginn an durch eine Vielzahl divergierender Stilrichtungen gekennzeichnet. Stilistische Vielfalt ist bis in die Gegenwart ihr Hauptcharakteristikum geblieben und gilt als primäres Indiz ihrer Homogenität und Ganzheitlichkeit.
Unsere Ausstellung kann zwar nicht den Anspruch erheben, repräsentativ zu sein, vermittelt jedoch mit über 30 Werken hochrangiger Vertreter der Kunst der Moderne einen authentischen Eindruck sowohl von dem was ihre Neu- und Andersartigkeit als auch ihre faszinierende Ästhetik ausmacht. Für eine nutzbringende Begegnung mit moderner Kunst ist es nicht so sonderlich wichtig, ihre Kriterien und Unterscheidungsmerkmale zu kennen, also ob ein Werk mehr abstrakt, kubistisch, expressionistisch oder surrealistisch usw. einzuordnen ist, sondern sich ohne Vorurteile und bestimmte Erwartungen darauf einzulassen. Dabei kann es von Nutzen sein, das Werden und Sosein dieser neuen Kunst vor allem auf jene geistigen Antriebe und Gehalte hin auszuloten, die hinter ihr und durch sie wirken.
Franz Tiedtke, HöhenArt Hürtgenwald
Einführung: Dr. Dorothy Rowe, University of Bristol
Musikalische Gestaltung: Dorothée Hahne, Münster
Die altehrwürdige Institution der Bilderausstellung – Maf Räderscheidt lässt sie mit Hilfe des Internets selbst zu einem authentischen Kunstprojekt über die Position der Malerei in den modernen Medien werden. Seit März dieses Jahres malt die Künstlerin unter dem Motto „A Picture a Day keeps the doctor away“ täglich ein Gemälde als Kommentar zu den Ereignissen des Tages, stellt es ins Internet und verbreitet es über den Microblogdienst Twitter. Eine Ausstellung dieser Werke wird am 12. September, im Junkerhaus Simonskall ( Hürtgenwald ) eröffnet. Allerdings wird kein einzelner Kurator oder die Künstlerin selber die Auswahl treffen, sondern die „Follower“ von @mafraederscheid bei Twitter, womit diese Ausstellung die erste ist, die global über Internet kuratiert wird und damit neue Wege der internationalen Vernetzung und weltweiten Kunstvermittlung aufweisen und Twitter selber zum Inhalt eines Kunstprojektes machen.
Während die Welt der Webdesigner immer noch überlegt, was mit dem Terminus „web 2.0“ irgendwann einmal gemeint sein könnte, hat sich unter dem Titel „Twitter“ ein Phänomen gebildet, dass man noch vor kurzem für unmöglich gehalten hatte.
Das Prinzip ist einfach. Mit 140 Zeichen beantworten die Benutzer die Frage: „Was tust Du gerade?“ Und während manche Nutzer immer noch dem Irrtum unterliegen, es würde tatsächlich jemanden interessieren, dass sie gerade die Toilette benutzen, ist Twitter tatsächlich mittlerweile zu einem Politikum geworden, dem zugetraut wird, Regimes stürzen zu können.
Ungewöhnlich an Twitter ist, dass man nicht in einem anonymen Internet agiert oder in geschlossenen Foren diskutiert, sondern sich öffentlich in einer genau definierten Nutzergruppe aus persönlich bekannten Individuen bewegt, die sich tatsächlich auch genau für die Nachrichten interessiert, die man schreibt. Auf diese Weise bilden sich Interessennetzwerke, die weltumspannend Informationen in ihrem jeweiligen Sachgebiet austauschen. Dies kann die richtige Fellpflege bei Rassekaninchen sein, es können radikale politische Ansichten sein, in diesem Fall ist es die Bildende Kunst.
Da die Menschen, die Maf Räderscheidt auf Twitter verfolgen, zum großen Teil selber professionelle Künstler, Galeristen oder Kunstinteressierte sind, kann mit Spannung erwartet werden, wie eine globale Kunstszene von Alaska bis Australien, vom Kaukasus bis nach China auf das Angebot reagiert, eine Ausstellung in einem kleinen, aber geschichtsträchtigen Museum in der Eifel zu kuratieren.
Im Junkerhaus in Simonskall trafen sich nach dem Ersten Weltkrieg die Kölner Künstler, die sich später die Progressiven nannten, um in Diskussionen mit dem Philosophenehepaar Jatho aus der globalen Katastrophe und ihren Kriegserfahrungen ein neues Menschenbild zu schaffen, das seinen künstlerischen Niederschlag in den Bildern der dort versammelten Maler fand: F.W. Seiwert, Heinrich Hoerle, das Ehepaar Räderscheidt-Hegemann. An diesem Ort soll auch das neue Menschenbild, das sich über die offene Teilnahme an internationalen Vernetzungen gerade zu bilden beginnt, wieder einen Ort finden, an dem es künstlerische Realisierung findet – in den Daily Paintings der Maf Räderscheidt.
Nach der weltweit ersten Fernsehgalerie auf dem Kölner Lokalsender Center TV 2007 ist dies bereits die zweite Arbeit von Maf Räderscheidt, in der sie sich mit der Position der Malerei in den modernen Medien wie Fernsehen oder Internet auseinandersetzt.
Die altehrwürdige Institution der Bilderausstellung – Maf Räderscheidt lässt sie mit Hilfe des Internets selbst zu einem authentischen Kunstprojekt über die Position der Malerei in den modernen Medien werden. Seit März dieses Jahres malt die Künstlerin unter dem Motto „A Picture a Day keeps the doctor away“ täglich ein Gemälde als Kommentar zu den Ereignissen des Tages, stellt es ins Internet und verbreitet es über den Microblogdienst Twitter. Eine Ausstellung dieser Werke wird am 12. September, im Junkerhaus Simonskall ( Hürtgenwald ) eröffnet. Allerdings wird kein einzelner Kurator oder die Künstlerin selber die Auswahl treffen, sondern die „Follower“ von @mafraederscheid bei Twitter, womit diese Ausstellung die erste ist, die global über Internet kuratiert wird und damit neue Wege der internationalen Vernetzung und weltweiten Kunstvermittlung aufweisen und Twitter selber zum Inhalt eines Kunstprojektes machen.
Während die Welt der Webdesigner immer noch überlegt, was mit dem Terminus „web 2.0“ irgendwann einmal gemeint sein könnte, hat sich unter dem Titel „Twitter“ ein Phänomen gebildet, dass man noch vor kurzem für unmöglich gehalten hatte.
Das Prinzip ist einfach. Mit 140 Zeichen beantworten die Benutzer die Frage: „Was tust Du gerade?“ Und während manche Nutzer immer noch dem Irrtum unterliegen, es würde tatsächlich jemanden interessieren, dass sie gerade die Toilette benutzen, ist Twitter tatsächlich mittlerweile zu einem Politikum geworden, dem zugetraut wird, Regimes stürzen zu können.
Ungewöhnlich an Twitter ist, dass man nicht in einem anonymen Internet agiert oder in geschlossenen Foren diskutiert, sondern sich öffentlich in einer genau definierten Nutzergruppe aus persönlich bekannten Individuen bewegt, die sich tatsächlich auch genau für die Nachrichten interessiert, die man schreibt. Auf diese Weise bilden sich Interessennetzwerke, die weltumspannend Informationen in ihrem jeweiligen Sachgebiet austauschen. Dies kann die richtige Fellpflege bei Rassekaninchen sein, es können radikale politische Ansichten sein, in diesem Fall ist es die Bildende Kunst.
Da die Menschen, die Maf Räderscheidt auf Twitter verfolgen, zum großen Teil selber professionelle Künstler, Galeristen oder Kunstinteressierte sind, kann mit Spannung erwartet werden, wie eine globale Kunstszene von Alaska bis Australien, vom Kaukasus bis nach China auf das Angebot reagiert, eine Ausstellung in einem kleinen, aber geschichtsträchtigen Museum in der Eifel zu kuratieren.
Im Junkerhaus in Simonskall trafen sich nach dem Ersten Weltkrieg die Kölner Künstler, die sich später die Progressiven nannten, um in Diskussionen mit dem Philosophenehepaar Jatho aus der globalen Katastrophe und ihren Kriegserfahrungen ein neues Menschenbild zu schaffen, das seinen künstlerischen Niederschlag in den Bildern der dort versammelten Maler fand: F.W. Seiwert, Heinrich Hoerle, das Ehepaar Räderscheidt-Hegemann. An diesem Ort soll auch das neue Menschenbild, das sich über die offene Teilnahme an internationalen Vernetzungen gerade zu bilden beginnt, wieder einen Ort finden, an dem es künstlerische Realisierung findet – in den Daily Paintings der Maf Räderscheidt.
Nach der weltweit ersten Fernsehgalerie auf dem Kölner Lokalsender Center TV 2007 ist dies bereits die zweite Arbeit von Maf Räderscheidt, in der sie sich mit der Position der Malerei in den modernen Medien wie Fernsehen oder Internet auseinandersetzt.
Texttafeln mit biografischen Daten und digitale Reprints
Details finden Sie unter Kalltalgemeinschaft