
Die Geschichte des Junkerhauses ist eng verbunden mit der Geschichte des Ortes Simonskall, dessen Gründung – wie urkundlich belegt – auf das Jahr 1608 zurückgeht.
Angelockt von den großen Holzvorräten und Quarzitvorkommen sowie der Wasserkraft des Kallbachs, errichtete der Schweizer Kaufmann Bartholomäus Schobinger aus St. Gallen hier im Gebiet „op der Callen“ eine Glashütte und eine Seifensiederei. In unmittelbarer Nähe baute er ein massives Wohnhaus mit Wehrturm, den er vorsorglich mit Schießschachten ausstattete um sich und seine große Familie mit Ehefrau, 13 Kindern und Gesinde vor den Unwägbarkeiten des heraufziehenden 30jährigen Krieges besser zu schützen.
Die im Jahre 1651 hinzugefügte linke Gebäudehälfte wird heute als „Junkerhaus“ bezeichnet.
Bereits im Jahre 1612 wurden Glashütte und Seifensiederei wegen Unrentabilität in eine Eisenhütte umgewandelt, deren neuer Besitzer Simon Kremer war, ein aus Zweifall zugewanderter Hüttenmeister, auch “Simon op der Callen“ genannt, wovon der Ortsname „Simonskall“ abgeleitet ist.
In der Folgezeit diente das Junkerhaus über zweieinhalb Jahrhunderte vielen Generationen als Wohnstatt und überstand so manchen Sturm der Zeit bis im Jahre 1919 der Kunsthistoriker und Publizist Carl Oskar Jatho und seine Frau, die Schriftstellerin Käthe Jatho-Zimmermann, das Haus von den damaligen Besitzern Scholl anmietete, um hier zusammen mit einer Gruppe junger avantgardistischer Künstler aus der Kölner Szene eine Art Landkommune zu errichten, die sich Kalltalgemeinschaft nannte. Das Junkerhaus wurde nun zu einem wichtigen Begegnungs- und Zufluchtsort für Künstler und Intellektuelle bis sich im Herbst 1921 die Kalltalgemeinschaft aus wirtschaftlichen Gründen wieder auflöste.
Der 2.Weltkrieg und die erbitterten Kampfhandlungen der so genannten „Schlacht im Hürtgenwald“ hinterließen auch in Simonskall deutliche Spuren der Verwüstung durch Bomben- und Granateinschläge. Davon betroffen war auch das Junkerhaus, das teilweise zerstört wurde und ausbrannte. Spätestens hierbei dürften wohl auch die Bilder zu Szenen des Gilgamesch-Epos zerstört worden sein, die Franz Wilhelm Seiwert, Mitglied der Kalltalgemeinnschaft, an die Wände des Junkerhauses gemalt hatte.
Sein heutiges Äußeres mit dem prachtvollen Fachwerkgiebel und den zierlichen Sprossenfenstern, wie aber auch das stilvolle Innere, mit wunderschöner Blausteintreppe und eichenen Wandvertäfelungen, verdankt es dem Lammersdorfer Industriellen Otto Junker, der das stark beschädigte Gebäude 1958 erwarb, aufwendig renovierte und als Werksmuseum einrichtete. Nach ihm wurde es im Volksmund „Junkerhaus“ genannt, so lautet auch sein offizieller Name. Heute befindet sich das denkmalgeschützte Gebäude im Besitz der Gemeinde Hürtgenwald.
Nach dem heutigen Nutzungskonzept ist das Junkerhaus Simonskall in seiner Funktion als Haus des Gastes informativer und kultureller Anlaufpunkt für Gäste und Besucher von Simonskall sowie der gesamten Gemeinde Hürtgenwald.
Weiterführende Literatur:
Leo Messenig: „Simonskall und seine Vergangenheit“