Erinnerungen an eine Kolonie von Künstlern








Erinnerungen an eine Kolonie von Künstlern im idyllischen Kalltal

Kunstverein HöhenArt präsentiert Ausstellung im Junkerhaus

Simonskall

Die Ausstellung "Experiment Kalltalgemienschaft - Die Kölner Progressiven in Simonskall" des Kunstvereins HöhenArt Hürtgenwald, unterstützt von der Konejung Stiftung Kultur, im Junkerhaus Simonskall erinnert an eine wichtige Episode im Kunstleben der Rheinischen Moderne. Zwischen 1919 und 1921 hatten einige Kölner Künstler und Intellektuelle, unter ihnen die Schriftstellerin Käthe Jatho-Zimmermann, der Kunsthistoriker und Publizist Carl Oskar Jatho und der Graphiker und Maler Franz Wilhelm Seiwert, in Simonskall eine Art Künstlerkolonie gegründet - die Kalltalgemeinschaft.

An die 80 Exponate, Bilder, Graphiken und Schriftstücke, sind im Junkerhaus zu sehen. Alle ausgestellten Künstler seien Mitglieder oder Freunde der Kalltalgemeinschaft gewesen, betont Dr. Reinhard Schilf, Mitglied des Kunstvereins HöhenArt. Zu den Freunden zählten unter anderem Angelika und Heinrich Hoerle, Martha Hegemann und Anton Räderscheidt. "Wir wollten etwas ganz besonderes machen", erläutert Franz Tiedtke vom Verein HöhenArt die Intention für die Ausstellung. "Wir wollten daran erinnern, dass es die diese Künstlerkolonie gab, mit heute recht bekannten Künstlern"

Erinnerungen

Als Schirmherrin der Ausstellung konnte Angie Littlefield, die Großnichte von Angelika Hoerle, gewonnen werden. Sie sei stolz, nicht nur ihre Familie vertreten zu dürfen, sondern auch die Leistungen ihrer Großtante zu würdigen. "Die Kalltalgemeinschaft war die Wiege der Kölner Progressiven", erläuterte Littlefield. Trotz des dramatischen Erlebnisses des Ersten Weltkrieges hätte hier die Hoffnung überlebt, dass Kunst zur Weltverbesserung dienen kann. Dass die Ideen der Gemeinschaft auch nach 90 Jahren noch "in der Welt herumgeistern", zeige, dass Freundschaft, durch die Künstlergemeinschaft gekennzeichnet war, zeitlos ist, so Littlefield. Unterstützt durch Fotoprojektionen erzählte Littlefield aus dem Leben ihrer Großtante und gab auch einige Familienanekdoten preis.

Maf Räderscheidt, Enkeltochter von Marta Hegemann und Anton Räderscheidt, ging auf die Biographie ihres Großvaters ein, bevor sie ihre Großmutter Martha Hegemann mittels vorgetragenem Tagebucheintrag selbst zu Wort kommen ließ.

Die Einführung in die Ausstellung übernahm Professor Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann aus Düsseldorf. Die Kalltalgemeinschaft sei durch junge Künstler ins Leben gerufen worden, die der Leidensgeneration angehört hätten und mit ihrer Kunst nach Rettung suchten.

Zu den ausgestellten Werken zählen neben Linol- und Holzschnitten, Zeichnungen und Aquarellen auch Erzeugnisse der "Kalltalpresse", die vermutlich in Simonskall gedruckt worden sind. Acht Werke dieser literarischen, zum Teil graphisch illustrierten Texte sind im Junkerhaus zu sehen.

Zum Thema "Originale Druckstöcke der Kalltalgemeinschaft auf historischer Handpresse" wird Professor Walter Dohmen am Sonntag, dem 4. Mai, von 11 bis 14 Uhr einen Vortrag mit Demonstration halten.

Die Ausstellung "Experiment Kalltalgemeinschaft" ist bis zum 15. Juni mittwochs und samstags von 14 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr im Junkerhaus Simonskall zu sehen.

( Text und Foto: K. Hanuschkin, Dürener Zeitung von Montag, 31. März 2008)

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