
Arbeiten von Khei Schulz im Junkerhaus in Simonskall zu sehen. Manche Details erschließen sich bei näherer Betrachtung.
Hürtgenwald-Simonskall. Wieder lohnt sich ein Besuch im Junkerhaus. Der Verein „HöhenArt“ zeigt hier eine Ausstellung mit Werken von Khei Schultz. Bei der Eröffnung am Samstag füllten sich die Räume mit vielen interessierten Gästen.
Auf zwei Etagen kann man die mittel- und kleinformatigen Bilder betrachten. Manche wirken auf den ersten Blick verwirrend, man muss näher herantreten, den Linien mit den Augen folgen. Graphit, Farb- und Bleistifte sind die bevorzugten Materialien des Malers; daraus heben sich mitunter Details aus Tusche, Aquarellflächen oder Frottagen hervor.
Lange in Köln tätig
Franz Tiedtke vom Kunst- und Kulturverein Höhenart Hürtgenwald, der den Künstler und die Gäste begrüßte, nannte die Ausstellung eine Demonstration großer Zeichenkunst. Über 30 Jahre war Khei Schultz Verwalter der Graphischen Sammlung am Wallraf-Richartz-Museum; an der Werkkunstschule Köln ließ er, der ursprünglich Schaufenstergestalter war, sich ausbilden.
Ein Gefährte, der Kunsthistoriker Olaf Mextorf, wies in einem lebhaften Vortrag die Zuhörer in die Ausstellung ein. „Hybrid“ wurde sie überschrieben; damit sei „etwas Gemischtes, Zusammengesetztes, durch Kreuzung Entstandenes gemeint“ und der Hinweis auf Arbeitsweise und Thematiken gegeben. Vor allem auf die Spontaneität der Zeichnungen wies Mextorf hin: Aus einer Lockerungsübung sind schwungvolle Linien entstanden, daraus ist ein Gesicht zu erkennen, und mit Tusche werden feine Nuancen hervorgeholt.
Meist ohne Titel
So entstand der Bildzyklus „Die vier Evangelisten“ – surrealistisch und ein wenig rätselhaft. „Fast immer beginnt es mit einem Rätsel“ – so war eine frühere Ausstellung des Künstlers überschrieben. Und auch im Junkerhaus ist der Betrachter aufgefordert, sich dem Abenteuer der Betrachtung und Enträtselung zu stellen.
So sind auch die meisten Arbeiten ohne Titel. Jedoch heißt ein Bild, das zwei Personen zeigt, „Für ihn“: Eine schwarze schemenhafte Gestalt steht in einem Spannungsverhältnis zu einem großen Gesicht mit fragend-herausforderndem Ausdruck.
Nicht nur die Augen waren gefordert bei der Vernissage. Es gab auch einen Genuss für die Ohren: Mit dem Duo Manuel und Sina Gottschlich, das Khei Schultz „auf der Straße in Brühl“ kennen gelernt hatte, präsentierten sich zwei junge Talente, die mit ihrem Cello- und Violinspiel eine verblüffende Leistung voll jugendlicher Energie boten und die Zuhörer ausnahmslos erfreuten. Die beiden besuchen den Musikzweig des Humboldt-Gymnasiums Köln und haben schon zahlreiche Preise gewonnen. Noch bis zum Sonntag, 31. Oktober, ist die bemerkenswerte Ausstellung zu sehen, und zwar sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr sowie mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr. (ale)
Anneliese Lauscher, Dürener Nachrichten